Besprechung des Weihnachtskonzertes der Jugendkantorei in Thalmässing (17.12.11) im Hilpoltsteiner Kurier
Gotteslob aus frischen Kehlen
Unter der Leitung des Domkapellmeisters Christian Heiß gab die Jugendkantorei des Eichstätter Doms ihr Bestes.
Nur spärlich in warmes Kerzenlicht getaucht, wie es traditionell bei einem Rorate-Gottesdienst üblich ist, war die katholische Kirche St. Peter und Paul in Thalmässing. Schon lange vor Beginn waren alle Plätze belegt, denn dieses Mal gestaltete die Jugendkantorei des Eichstätter Doms mit ihrem Leiter Domkapellmeister Christian Heiß die Feier musikalisch aus.
Und der gute Ruf war ihnen vorausgeeilt. Jugendpfarrer Jürgen Konert stellte in seiner Ansprache den Advent als eine Zeit des Ankommens heraus, ein Ankommen bei sich selber, in der Welt und bei Gott. Großformatige Bilder, geschaffen von Schülerinnen der Realschule Maria Ward in Eichstätt, schmücken den Chorraum aus und begleiten durch die Adventszeit.
Das sich anschließende Konzert begann mit einer Advents-Collage, einem Werk des Chorleiters Christian Heiß. Bewusst hatte er dabei auf ungewohnte Harmonien, auf musikalische Reibungen gesetzt, als er in diesem Beitrag zur zeitgenössischen Musik einen Gregorianischen Choral und ein Kirchenlied in einem Chorsatz verquickt hatte. „Die jungen Leute reißen sich um solche Musik“, stellte Heiß fest. Mit den jungen Leuten waren seine 36 Sängerinnen und Sänger im Alter zwischen 11 und 18 Jahren gemeint, die mit erstaunlicher Präzision und mit klaren und frischen Stimmen die durchwegs mehrstimmigen und anspruchsvollen Werke darboten. Vieles stellte eine wohltuende Abwechslung zu den üblichen weihnachtlichen Weisen dar.
Mit der freudvollen Aufforderung „Machet die Tore weit!“ ging es weiter, bevor „Veni Domine“ von Felix Mendelssohn Bartholdy in dynamischer Interpretation erklang. Die meisten der Werke wurden von Markus Rupprecht, dem Assistenten von Christian Heiß, kongenial am E-Piano begleitet. Aber auch englische Titel stehen auf dem Repertoire des Chors, etwa das melodiöse „Loving Shepherd“ und später das jubilierende „Tomorrow shall be my dancing day“.
Mit einfühlsamen Klängen auf der Violine begleitete Antonia Bernecker das zweistimmige „Maria durch ein Dornwald ging“, in der Bearbeitung von Christian Heiß. In dem vielseitigen Programm, das Werke vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart enthielt, folgte „Ave maris stella“ von Joseph Rheinberger.
Wechselnde Rhythmen und abrupte Dynamiksprünge kennzeichnen die Komposition „A Ceremony of Carols“ des Engländers Benjamin Britten. Sowohl die Gesangssolistinnen Isabelle Wimmer und Elisabeth Mödl als auch der Chor und Markus Rupprecht am E-Piano meisterten dieses mehrsätzige Werk mit Akkuratesse. Ein weiteres Mal überzeugte die Violinvirtuosin Antonia Bernecker, als sie souverän die „Vocalise“ von Sergei Rachmaninoff auf ihre Weise musikalisch erzählte.
Jubilierend, frisch und überzeugend, wie so oft an diesem Abend, folgte „In dulci jubilo“ von Michael Praetorius. Christian Heiß hat den A-Capella-Chorsatz sowohl zum dreistimmigen „Vom Himmel hoch“, als auch zu „Still, still, still“ geschrieben. Im 19. Jahrhundert hatte Peter Cornelius „Die Könige“ in Noten gesetzt. Wieder war es Isabelle Wimmer, die mit einem Sopransolo die Zuhörer begeisterte.
Aus der Feder von Georg Ratzinger, dem Bruder von Papst Benedikt XVI. und langjährigem Chorleiter der Regensburger Domspatzen, zu denen auch Christian Heiß einmal gehört hatte, stammt der Chorsatz zu „O du fröhliche“, das dem Titel gemäß in freudvoller Weise interpretiert wurde. Mit lange anhaltendem Applaus bedankten sich die begeisterten Zuhörer für dieses außergewöhnliche Konzert.
Als Zugabe erklang aus der Tiefe des dunklen Chorraums heraus das wohl bekannteste aller Weihnachtslieder: „Stille Nacht“. Diesmal ohne süßlichen Beigeschmack, sondern in ergreifender, anrührender Weise. Lange lauschte man den Klängen noch nach. Pfarrer Jürgen Konert brachte es auf den Punkt: „Manchmal kann man die Stille hören. Wir haben sie gerade gehört.“
Von Manfred Klier
Vieltausendstimmig im Dom
Eichstätter Jugendkantorei beteiligte sich am Pueri Cantores-Chorfestival in Würzburg.
Mit bleibenden Eindrücken sind die 41 jungen Sängerinnen und Sänger der Eichstätter Jugendkantorei vom 6. Deutschen Pueri Cantores-Chorfestival in Würzburg zurückgekehrt. Fünf Tage verbrachten die Fünft- bis Elftklässler dort mit ihrem Chorleiter, Domkapellmeister Christian Heiß sowie dessen Mitarbeitern Markus Rupprecht und Sabine Buchberger. Heiß hatte auch das Mottolied „Singen von Gottes Wegen“ komponiert, das im Abschlussgottesdienst aus 3.100 Kehlen erklang.
Weil diese vielen Jungen und Mädchen nicht alle in Würzburg Platz fanden, waren die Quartiere auf die ganze Region verteilt. Die Eichstätter etwa waren in der Jugendherberge Schweinfurt untergebracht. Von dort aus ging es gleich nach der Ankunft auf die Würzburger Festung Marienberg zur Begrüßung der Chöre durch den Präsidenten der deutschen Pueri Cantores-Vereinigung, Matthias Balzer, den Würzburger Domkapellmeister Professor Martin Berger und die Schirmherrin, Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Schnell traf die Gruppe auch alte Bekannte, wie etwa den Nachwuchschor der Regensburger Domspatzen wieder. Gemeinsam zogen die mehr als 90 Chöre über die Mainbrücke zum Dom. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann erwartete sie am Hauptportal und begrüßte jede Gruppe einzeln, ehe er das Pueri Cantores- Festival 2011 offiziell eröffnete.
Den zweiten Tag nutzten die Chöre, um Kostproben aus ihrem Repertoire zu geben und einander zu lauschen. Die Eichstätter gaben ein halbstündiges Konzert im Stift Haug und freuten sich, dass sie bei den Zuhörern gut ankamen. Auch für die Chorleiter sei dieses gegenseitige „Beschnuppern“ ein Gewinn, meint Domkapellmeister Heiß. Denn von den jungen Sängern kämen hernach oft Vorschläge, das eine oder andere gehörte Lied („das würde uns auch gefallen“) ins eigene Programm aufzunehmen.
Auf der Gartenschau
Nach dem Abendessen im Würzburger Seelsorgezentrum „Kilianeum“, das während des Festivals als Sammelpunkt diente, stand das „Fest der Chöre“ in der S. Oliver-Arena auf dem Programm. Mit dabei waren Comedian Klaus Renzel und die A-cappella-Band „MayBebop“. Eine Fahrt nach Ochsenfurt bildete den Auftakt des dritten Tages. Sehr gut gefiel den jungen Eichstättern die Predigt von Generalvikar Karl Hillenbrand in der Stadtpfarrkirche St. Andreas. Und sie versprachen ihm gern, Grüße an den früheren Eichstätter Generalvikar, Dompropst em. Johann Limbacher, auszurichten.
Dann ging es weiter zur Landesgartenschau in Kitzingen, die die jungen Leute nicht nur neugierig erkundeten, sondern auch gemeinsam mit anderen Festivalteilnehmern musikalisch umrahmten. Auf der Freilichtbühne gaben sie Kostproben ihres weltlichen Programms und ernteten, zur Freude ihres Chorleiters, viel Beifall. Abends war dann ein Open Air Konzert mit der A-Cappella-Band „High Five“ und gemütliches Beisammensitzen auf einer Wiese am Kitzinger Mainufer angesagt.
Tags darauf probten alle Chöre gemeinsam für den großen Schlussgottesdienst mit Bischof Hofmann am Sonntag und waren dabei hochkonzentiert bei der Sache. Für die 3.100 Sänger waren der Dom ausgeräumt und riesige Leinwände aufgestellt worden, damit auch jeder einen der Taktstöcke erblicken und die 92 Chöre somit ihren Gesang koordinieren konnten. „Unser Chef war einer der Dirigenten und gemeinsam mit der Limburger Domchordirektorin dafür zuständig, dass im Hauptschiff alle im gleichen Tempo sangen“, berichtet Teilnehmerin Isabelle (17).
Beim Abschlussgottesdienst im Würzburger Dom habe „eine unglaubliche Stimmung geherrscht“, erzählt Heiß begeistert. Und nicht weniger freute er sich, dass seine Komposition „Singen von Gottes Wegen“, mit der der Gottesdienst eröffnet wurde, bei den Jugendlichen schon während der Proben zum „Ohrwurm“ geworden war. Nach dem Schlusslied „Cantemus in viis dominis“ des Würzburger Domkapellmeisters Berger erklang „minutenlanger tosender Applaus und Jubel im ganzen Dom“, schildert die Eichstätterin Isabelle begeistert.
„Vor allem für unsere Älteren ist das Chorfestival immer wieder ein Highlight und eine Möglichkeit, Bekannte zu treffen“, meint der Domkapellmeister, der seinen Chor in den vergangenen Jahren schon zu Pueri-Cantores-Treffen in Münster und Stockholm begleitet hat. 2012 steht wieder ein internationales Festival im spanischen Granada auf dem Programm und „wenn’s irgendwie geht“ wollen die Eichstätter dabei sein. Bis dahin, so hofft Heiß, schließen sich vielleicht weitere Kinder- und Jugendchöre aus den Pfarreien des Bistums Eichstätt den Pueri Cantores an, „das ist mein Ziel und da bin ich immer noch am Werben“.
Gabi Gess, Kirchenzeitung
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