Domkonzert 16. Dezember 2007

Weihnachtskonzert des Eichstätter Domchors
Domorganist Martin Bernreuther, Orgel
Eichstätter Domchor
Leitung: Domkapellmeister Christian Heiß

Pressebericht im Eichstätter Kurier, 19. Dezember 2007
von Helmut Hawlata

Kaum mehr Platz im Dom

Wo kommen nur die vielen Leute her? Da lösen sich nahezu täglich die Veranstaltungen adventlichen Charakters einander ab. Und doch drängten sich so viele Zuhörer in den Dom, das trotz zusätzlicher Bestuhlung kaum mehr Platz zu bekommen war.
Aber man weiß, dass die Weihnachtskonzerte des Domchores alle Jahre wieder etwas ganz Besonderes sind: die Qualität der Interpretation, der Einfallsreichtum in der Programmauswahl, die Ruhe ausstrahlende Atmosphäre des erhabenen Kirchenraums, all dies gibt dem vorweihnachtlichen Singen den Rang des Außergewöhnlichen.
Domkapellmeister Christian Heiß hatte Kompositionen aus nahezu einem halben Jahrtausend ausgesucht, viele davon neu einstudiert. Die Auswahl war nicht chronologisch geordnet, sondern folgte einem festen theologischen Programm: Heilserwartung und Marienlob im ersten Block, das Geschehen in Bethlehem als zweiter Teil und nachdenklich-volkstümliche Weisen aus aller Welt zur Anbetung des göttlichen Kindes zum Abschluss des Konzertes. Dazwischen, als Ruhepunkte für den wieder glänzend eingestimmten Chor mit seinen etwa 60 Mitgliedern, erklang zur Weihnachtszeit passende Orgelmusik, hervorragend interpretiert vom Domorganisten Martin Bernreuther, der sich mit einem "Rorate Coeli" auch als Komponist vorstellen durfte; dazu kam ein Orgelwerk des zeitgenössischen Komponisten Georges Robert und das "Concerto del Sig. Blamr" des Bach-Zeitgenossen Johann Gottfried Walther, der ja auch ein Konzert des Eichstätter Hofkapellmeisters Meck für die Orgel adaptiert hat.

Drei Elemente zeichnen einen guten Chor aus: der ausgewogene Klang, sichere Intonation und Gespür für den richtigen Tempoverlauf. All dies trifft in vollem Maße für unseren Domchor zu. Es würde zu weit führen, das ganze Programm an vier- bis neunstimmigen Chorsätzen aufzuführen, aber ein paar Glanzlichter sollen doch aufgezeigt werden. So stimmte Christian Heiß gleich eingangs mit dem aus mystischem Dunkel aufsteigenden "Veni Emanuel" des zeitgenössischen Tonsetzers Jan-Ake Hillerud vortrefflich in das Konzert ein, bei dem in den hinteren Seitenschiffen die Frauen- und Männerstimmen gegenüber postiert waren. Immer wieder bewegend sind auch die spätromantisch klangschönen Chorsätze Bruckners, Rheinbergers und Regers, das kostbare polyphone "Hodie Christus natus est" von Palestrina, das innige "Wie schön leuchtet der Morgenstern" Mendelssohn-Bartholdys, und als kleiner Beitrag zu seinem 100. Geburtstag ein Chor von Edvard Grieg. Aus dem letzten Abschnitt des Konzerts verdienen neben den Werken von Melchior Franck und Carl Loewe und die von den Chorpraktikern Menschick, Suttner und dem Dirigenten selber stammenden Chöre besonders Lob. Eine schöne Tradition ist es schon, dass zum Schluss (und zumeist auch am Christnachts-Gottesdienst) das stimmungsvoll fromme "Heilige Nacht" des Johann Reichardt erklingt.

In die andächtige Stille nach den letzten Choralklängen tönten die Domglocken zum würdigeren Abschluss als der aufklingende Applaus.