Domkonzert 26. Oktober 2008

Pressebericht zum Domkonzert im Eichstätter Kurier

Eine wahre Sternstunde der Kirchenmusik

Eichstätt (EK) Die großen Messkompositionen der Klassik und Romantik sind längst in die Konzertsäle gewandert, weil sie vom Aufwand und von der Dauer her den Rahmen normaler Gottesdienste sprengen. Auch für Schuberts Es-Dur Messe trifft dies zu. Zusammen mit einer weiteren, kürzeren Kirchenkomposition, dem "Salve Regina" für Sopran und Streicher, stand sie auf dem Programm der Eichstätter Domkonzerte.

Eigentlich war sie wohl für einen Festgottesdienst anlässlich einer Glockenweihe der Alser Kirche in Wien gedacht, aber Schubert wurde nicht termingerecht fertig, so dass der am 19. November 1828 verstorbene Komponist sein Werk nicht mehr hören durfte. Johannes Brahms kümmerte sich um Druck und Aufführung der letzten groß angelegten (und auch fast eine Stunde dauernden) liturgischen Komposition des von Brahms hoch geschätzten Kollegen.
Schubert hat das Werk aufwendig instrumentiert, besonderes Gewicht kommt beim vollen Bläsersatz den drei Posaunen zu, die immer wieder entscheidende Akzente und Klangfarben zu setzen haben.

Der Chor, oft sechsstimmig gesetzt, ist die ganze Mess-Dauer nahezu ständig gefordert, so dass man mit vollem Recht von einer "Chor-Messe" sprechen kann. Fünf Solisten vervollständigen die Besetzung, wobei die Tenorpartie doppelt auftritt. In kontrastreichem Wechsel reihen sich ganz auf die Melodie gestellte Passagen mit polyfonen Partien, die den Liedkomponisten als versierten Kontrapunktiker ausweisen.

Die Aufführung des komplexen Werkes im Dom wurde zu einer wahren Sternstunde der Kirchenmusik. Das Orchester "L‘arpe festante" kam mit den nicht gerade idealen akustischen Verhältnissen des weiten Kirchenraumes bestens zurecht. Der dicht gewobene Klangteppich (die Partitur kommt ohne Orgel aus) bildete ein solides Fundament für Chor und Solisten, die oft solistisch geführten Bläser musizierten ohne jeglichen Wackler.

Auch ohne die Bläser bewiesen die Streicher beim einleitenden "Salve Regina" als Partner der ausgezeichnet intonierenden Sopranistin Gerlinde Sämann ihre hohe Qualität.

Die Solisten Sonja Koppelhuber (Alt), Timothy Sharp (Bass) und die beiden Tenöre Michael Mogl und Julien Prégardien zeigten ihre Musikalität und stimmliche Präsenz. Zum unbestrittenen Höhepunkt des Abends wurde das solistisch für Sopran und Tenöre gesetzte "Et incarnatus est", das in seiner tiefen Frömmigkeit zu Tränen rührte. Es ist wirklich erstaunlich, was Domkapellmeister Christian Heiß mit dem in vielen Stimmen neu aufgebauten jungen Chor geleistet hat. Die absolute Präzision steht dem in mystische Tiefen untertauchenden Empfinden nie im Wege, lediglich bei einigen Fugeneinsätzen hätte ich mir etwas schärfere Akzentuierung gewünscht.

Das den Dom bis auf den letzten Platz füllende Auditorium zeigte seine Bewegtheit am Ende durch langes andächtiges Schweigen, in das stimmungsvoll das Domgeläut einfiel, bis sich die Spannung in herzlichem Beifall löste. Unter den vielen Zuhörern befand sich auch der Bruder des Heiligen Vaters, der ehemalige Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger.
hawe