Konzerte 2010

Leidenschaft, Dramatik und Verinnerlichung

Mendelssohns „Elias“ eindrucksvoll von Eichstätter Domchor, Solisten und L´Arpa festante geboten

Eichstätt Kurier, Freitag den 29.10.2010

In angelsächsischen Ländern gilt der „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach Händels „Messias“ als populärstes Oratorium. Dieses Werk (Uraufführung 1846) schrieb Mendelssohn als Auftragskomposition für die Birminghamer Festspiele, die deutsche Erstaufführung hat der 1847 jung verstorbene Romantiker nicht mehr erlebt. Bei uns in Deutschland wurde (und wird) der Elias relativ selten gespielt. In Eichstätt wurde Mendelssohns Meisterwerk vor 50 Jahren durch den längst nicht mehr existierenden Sängerkreis eindrucksvoll aufgeführt. Jetzt kam es zu einer erneuten Aufführung im Dom durch Domchor, L´Arpa festante und Solisten.
Was sind die Gründe, dass der Elias so selten zu hören ist? Auch das Schwesterwerk „Paulus“ und die Oratorien von Schumann („Der Rose Pilgerfahrt“ und „Das Paradies und die Peri“) sind solche Raritäten. All diese Werke erfordern einen erheblichen Aufwand: ein Orchester mit vollem Bläsersatz, bei Mendelssohn sogar mit der längst durch die Tuba ersetzten Ophikleide, einen großen Chor mit vielen solistischen Aufgaben, dazu wenigstens vier Solisten, deren Partien sehr anspruchvoll ausgestaltet sind. Bei Mendelssohn kommen auch noch politische Gründer dazu, waren doch seine Werke im so genannten Dritten Reich wegen des verhängnisvollen Antisemitismus verfemt.
Der Text geht auf die Geschichte des Propheten Elias zurück, wie sie im Alten Testament im „Buch der Könige“ berichtet wird, seine Wundertaten, sein Kampf gegen falsche Propheten und die Unbildung der Natur, seine Resignation und spektakuläre Himmelfahrt mit dem „feurigen Wagen“. Dramatische Passagen voll Leidenschaft und Lautmalerei stehen in schroffem Gegensatz zu tief verinnerlichten Stellen, bewegend und ergreifend.
All dies konnte Domkapellmeister Christian Heiß mit seinem leistungsstarken Chor, dem hervorragenden Orchester L´Arpa festante und dem vorzüglichen Solistenquartett Katrin Arnold (Sopran), Barbara Werner (Alt), Maximilian Schmitt (Tenor), und Manfred Bitter (Bass) überzeugend gestalten. Heiß und seine Musiker setzten dabei nicht auf gefühlige Sentimentalität oder billige Effekthascherei, sondern eher auf eindrucksvolle Sachlichkeit und absolute Werkgerechtigkeit.
Zu Höhepunkten wurden die an den Turba–Passagen in Bachs Passionen orientierten leidenschaftlichen Chor-Einwürfe (oft zusammen mit Soloeinsätzen), die großen Arien des stimmgewaltigen „Elias“-Sängers (besonders in dem mit dem Cellosolo begleitenden resignativen „Es ist genug“), das von den Frauenstimmen vorgetragene engelhafte „Hebe deine Augen auf“ und die Duette und Quartette der Solisten.
Im akustisch problematischen Dom war die Textverständlichkeit manchmal doch sehr eingeschränkt, zumal man Schwierigkeiten hatte, die im Programm abgedruckten Texte bei der sehr schummerigen Beleuchtung mitzulesen. Erst nach einer andächtigen Pause brach im voll besetzten Dom ein lautstarker herzlicher Beifall los als Anerkennung für ein rundum bewegendes, gelungenes Konzertereignis, das wohl lange in der Erinnerung haften wird. Hawe